Autostopp durch die kasachische Steppe// Hitchhiking through the Kazach steppe

Nach einer langen Anreise von Teheran mit 10 Stunden Zwischenstopp in Baku sind wir vergangenen Mittwoch in Aktau – Kasachstan gelandet. Die Grenzkontrolle ging schnell über die Bühne, da sich EU-Bürger 30 Tage ohne Visum in Kasachstan aufhalten dürfen. Wir kamen mitten in Nacht an und hatten daher vorab für die erste Nacht ein Hotel reserviert.

Laut Buchungsportal sollte dieses Hotel auch über eine 24-Stunden Rezeption verfügen. Dem war offensichtlich nicht so, denn als wir dort ankamen war alles verriegelt und auch telefonisch niemand erreichbar. Glücklicherweise fanden wir einen jungen Kasachen (der zufällig um 2 Uhr nachts draussen herumspazierte und ziemlich nach Alkohol roch 😊), der bereit war uns zu helfen. Er fand eine andere Unterkunft für uns und war ganz neugierig, wo wir herkommen und was uns nach Kasachstan verschlägt. Um vier Uhr morgens lagen wir dann endlich im Bett. Unseren ersten Tag in Aktau verbrachten wir damit die Stadt, welche direkt am kaspischen Meer liegt, zu erkunden, eine lokale SIM-Karte zu besorgen und einen Plan für die kommenden Tage zu schmieden.

Kasachstan ist ein riesiges Land (das grösste Binnenland der Welt sowie das neunt-grösste überhaupt) und ein Drittel hiervon ist unbewohnte Steppe und Wüste. Ursprünglich wollten wir mit dem Zug von Westen nach Osten reisen und ein paar Zwischenstopps auf der Strecke einlegen, um so viel wie möglich vom Land zu sehen. Allerdings stellte sich bei der Suche nach Zugtickets vor ein paar Wochen heraus, dass diese in den Sommermonaten bereits lange im Voraus ausverkauft sind. Aus diesem Grund beschlossen wir es mit Autostopp zu versuchen.

Am Donnerstagmorgen ging es dann, mit genügend Proviant im Gepäck und einem selbstbeschrifteten Schild mit unserem Zielort, los. Wir liessen uns mit dem Taxi an eine Tankstelle auf der Hauptverkehrs-Achse etwas ausserhalb von Aktau bringen.

Autostop Kazachstan

Unser Tagesziel war das 600 km nord-östlich gelegene Städtchen Beyneu. Wir mussten nicht lange warten, da hielt auch schon der erste Wagen an. Ein netter Herr wollte uns für die ersten 150 km mitnehmen und machte sogar einen Stopp an einem schönen Aussichtspunkt für eine kleine Fotosession.

Kurzer Stop für ein paar Bilder in der Steppe

Nach zwei kürzeren Mitfahrgelegenheiten trafen wir schliesslich auf Berik. Wir standen bereits etwa eine halbe Stunde in der heissen Mittagssonne mitten im Nirgendwo und wollten schon eine kurze Pause im Schatten einlegen, da hielt glücklicherweise ein Auto. Berik war auf dem Weg in das 3500 km entfernte Almaty im Osten von Kasachstan. Da er kein Wort Englisch sprach, versuchten wir ein paar einfache Unterhalten mithilfe der Google Translator App zu führen. Er bot uns an, uns komplett nach Almaty mitzunehmen. Gegen Abend hielten wir dann plötzlich an einem Haus in einem kleinen Städtchen inmitten der Steppe an (in der Steppe zeigte das Thermometer gegen 15h 48°C!). Berik, der generell nicht viel sprach während der Fahrt, sagte nur «Zeit für Abendessen» und wir wurden hinein ins Haus geführt. Es stellte sich heraus, dass Berik uns zum Abendessen bei seinem alten Schulfreund angemeldet hatte. Die ganze Familie musterte uns von oben bis unten und war ganz aufgeregt, internationale Gäste begrüssen zu dürfen. Die Frau des Hauses hatte einen ganzen Tisch voller Essen vorbereitet und bestand darauf, dass wir möglichst viel Essen 😊.

Spontanes (zumindest für uns) Abendessen bei Beriks Freunden
Spontanes (zumindest für uns) Abendessen bei Beriks Freunden

Nach dem Abendessen fuhren wir noch bis tief in die Nacht hinein nach Oral, eine grössere Stadt im Norden des Landes. Wenn man mit dem Auto vom Westen des Landes nach Osten möchte, muss man einen ziemlich grossen Umweg über den Westen und Norden machen, wo die einzige grosse Strasse hindurchführt. Wir waren froh, als wir gegen zwei Uhr morgens endlich in einem kleinen einfachen Hostel ein paar Stunden Schlaf finden konnten. Statt unserer geplanten 600km hatten wir somit am ersten Tag 1400km zurückgelegt. Für europäische Verhältnisse also eine wirklich weite Strecke.

Am nächsten Morgen mussten wir unsere Pläne etwas anpassen, da Berik bereits am Vorabend meinte, dass sein Auto komische Geräusche mache. Er wollte es also zuerst zur Garage bringen und einen Tag in Oral Pause machen.

Wir entschieden uns weiter unser Glück zu versuchen. Berik hat uns netterweise noch aus der Stadt rausgefahren und wieder an einer gut gelegenen Tankstelle rausgelassen, bevor er wieder zurück in die Stadt und sich auf die Suche nach einem Mechaniker gemacht hat. Wir standen gerade mal ein paar Minuten an der Strasse, da hielt auch schon unser nächster «Fahrer». Mit ihm fuhren wir ins 700 km entfernte Aktöbe. Er fuhr weiter nach Astana und wir übernachteten in einem Trucker-Hotel direkt an der Strasse. Vor dem Hotel standen zu unserem Erstaunen drei Touren-Motoräder, davon eines mit belgischem Kennzeichen. Als wir uns dann kurz nach unserer Ankunft in das Restaurant des Hotels aufmachten, erkannten wir uns gegenseitig als «westliche Touristen» und kamen sofort ins Gespräch. Die Biker erzählten uns von ihrem ungewöhnlichen Trip: die drei befreundeten Rentner (ein Belgier aus Antwerpen und zwei Australier) erfüllen sich einen Lebenstraum und sind von London aus gestartet, um die weite Strecke nach Tasmanien (Australien) zurückzulegen.

Lunch in Kazachstan
Mittagessen mit unserem Fahrer am zweiten Tag

Am Samstagmorgen machten wir uns früh los, da unser Tagesziel das 1000 km entfernte Turkestan war. Auch hier hatten wir wieder Glück und ein Paar nahm uns für den ersten Teil der Strecke mit. Die beiden hatten beste Laune und sangen lauthals mit bei den Liedern, die aus dem Autoradio ertönten. Es war also eine sehr unterhaltsame Fahrt 😊

Bei Kazachischer Musik im Radio kommt gute Stimmung im Auto auf :)
Bei Kazachischer Musik im Radio kommt gute Stimmung im Auto auf 🙂

Um die Mittagszeit landeten wir dann auf einer Raststätte auf halber Strecke, wo wir uns eine kleine Pause gönnten. Anschliessend starteten wir einen weiteren Versuch auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit. Bei brütender Mittagshitze und ohne Schatten wartete Manuel etwa 15 Minuten ohne Erfolg (um nicht allzu lange in der Sonne zu stehen wechselten wir uns alle paar Minuten ab). Als Katia danach fünf Minuten dastand, konnten wir unseren Augen kaum glauben, als eine neue BMW Limousine mit deutschen Kennzeichen für uns (oder Katia?) anhielt. Im Auto sassen zwei Männer: Anthony, ein junger Mann aus Kiew, der mit seinen langen Haaren und Metal-Shirt einem Rockstar glich und Sascha, ein russischer Bodyguard aus Moskau. Eine durchaus seltsame Kombination mit einem in Deutschland zugelassenen Auto. Das Rätsel liess sich aber schnell auflösen: die beiden arbeiten für eine Firma, die teure deutsche Autos an gut betuchte Käufer in Zentralasien liefert. Die Käufer möchten meist nicht lange auf ihr neues Auto warten und zahlen daher einen Fahrer, der das Auto sofort holen geht und dann zu ihnen fährt. Es war also höchstinteressant für uns, von Anthony und Sascha zu erfahren, was sie schon alles in ihren etwas ungewöhnlichen Jobs erlebt hatten.

Nach einem weiteren langen Tag kamen wir dann spät abends in Turkestan an. Hier wollten wir auch noch einen Tag bleiben, da es in der Stadt einige Sehenswürdigkeiten gibt.

Wir hatten also innerhalb von 3 Tagen ungefähr 3200 km per Anhalter zurückgelegt. Abgesehen von den unglaublichen Wüsten- und Steppenlandschaften mit unzähligen Kamelen und Wildpferden, haben wir ganz viele nette Bekanntschaften gemacht und uns keinmal unsicher gefühlt. Wir würden es jedem empfehlen, der keinen strikten Zeitplan hat und Lust hat viele Einheimische kennen zu lernen! 

Nachdem wir einen halben Tag Turkestan besichtigt hatten, sind wir weiter nach Shymkent aufgebrochen (welches nur 2 Stunden entfernt liegt). Wir standen kaum mit dem Schild an der Strasse, da hielt ein älterer Herr und sprach uns mit gebrochenem Deutsch an. Er war auf dem Weg nach Shymkent und bot uns an uns mitzunehmen. Im Auto sassen zwei weitere junge Herren. In Zentralasien ist Autostopp sehr verbreitet. Kaum hält man seine Hand raus, hält meistens schon jemand an. In der Regel bezahlt man den Fahrer aber dafür (wie viel ist unterschiedlich je nach Vereinbarung, inzwischen gibt es dafür Apps ähnlich wie UBER). Wir haben immer von Anfang an gesagt, dass wir «no money» für die Fahrt bezahlen wollen, und meistens war dies auch in Ordnung für die Fahrer, da diese oft neugierig waren wo wir herkamen und was wir in Kasachstan machen. Somit kam es auf der Fahrt zwei Mal zu der Situation, dass wir mit anderen Mitfahrern im Auto sassen, die jedoch bezahlen mussten… Touristenbonus sozusagen.

Am Zielort angekommen bestand unser Fahrer darauf, uns zum Tee bei sich zu Hause einzuladen. Seine Töchter hatten jedoch nicht nur Tee, sondern ein ganzes Mittagsbuffet vorbereitet. Wir hatten also wieder ein Riesenglück und kamen in den Genuss der kasachischen Gastfreundschaft.

Tea Time in Shymkent, mit Usbekischer Kopfbedeckung ;)
Tea Time in Shymkent, mit Usbekischer Kopfbedeckung 😉

In Shymkent haben wir zwei ruhige Tage eingelegt und uns gemütlich die Stadt angeschaut. Der Roadtrip der letzten Tage machte sich doch bemerkbar und wir waren beide ziemlich geschlaucht.

Seit Dienstag sind wir nun in Taraz, wo wir mindestens eine Woche bleiben werden. Über die Organisation Workaway (Projekte für Reisende überall auf der Welt) haben wir Ylias kennen gelernt. Wir unterstützen ihn bei der Bewerbung von Touristentouren und Events in seiner Region. Im Gegenzug dürfen wir Gratis in seinem Guesthouse unterkommen.

Hiervon erzählen wir euch im nächsten Artikel mehr.

Unsere bisherige Route durch Kazachstan (Source: tripline.net)

After a long journey from Tehran with 10 hours stopover in Baku we landed in Aktau, Kazakhstan last Wednesday. The border control was smooth, as EU citizens are allowed to stay in Kazakhstan for 30 days without a visa. We arrived in the middle of the night and had reserved a hotel for the first night before. According to the booking portal, this hotel has a 24-hour reception. As it turns out, this wasn’t the case. When we arrived there, everything was locked and nobody was reachable by phone. Lucky us, we found a young Kazakh (who happened to walk around outside at 2 o’clock in the morning and smelled like alcohol 😊) who was willing to help us. He found another accommodation for us and was very curious where we come from and what takes us to Kazakhstan. At four o’clock in the morning we were finally in bed. We spent our first day in Aktau exploring the city, which lies directly on the Caspian Sea, getting a local SIM card and forging a plan for the coming days.

Kazakhstan is a huge country (the largest landlocked country in the world and 9th largest overall) and a third of it is uninhabited steppe and desert. Originally, we wanted to travel the country by train from west to east and make a few stops along the way to see as much of the country as possible. However, when looking for train tickets a few weeks ago, we realized that train tickets are sold out long in advance during the summer months. For this reason, we decided to try hitchhiking.

On Thursday morning, well equipped with food and snacks for at least a few days, as well as a labelled sign with our destination, we started our endeavor. We first took a taxi to a gas station on the main road outside Aktau.

Our destination for the day was the small town of Beyneu, 600 km north-east. We didn’t have to wait long before the first car stopped. An older and very nice gentleman was happy to give us a lift for the first 150 km. He explained us a few things along the way and even made a stop at a nice viewpoint for a small photo session.

After two shorter rides, Berik stopped for us. We had been waiting for about half an hour in the hot midday sun in the middle of nowhere and were about to take a short break in the shade, when he stopped his car for us and we jumped in. Berik was on his way to Almaty, a 3500 km drive through the country to the east of Kazakhstan. Since he didn’t speak a word of English, we tried to have some simple conversations using the Google Translator app. He offered to take us all the way to Almaty (JACKPOT!). In the evening we suddenly stopped at a house in a small town in the middle of the steppe (in the steppe the thermometer showed 48°C at 3pm!). Berik, who generally didn’t speak much during the drive, just said “time for dinner” and we were led into the house. It turned out that Berik had planned a dinner stop to meet his old school friend again and we were invited too. The whole family screened us top to bottom and was very excited to welcome international guests. The woman of the house had prepared a whole table full of food and insisted that we eat as much as possible 😊.

After dinner we drove deep into the night to Oral, a bigger city in the north of the country. If you want to go by car from the west to east of Kazakhstan, you have to make a huge detour via the west and north, as there’s only one paved road throughout this region. We were happy when we could finally lay down in a simple hostel around two o’clock in the morning. Instead of our planned 600km we had covered 1400km on the first day. By European standards a really long distance.

The next morning we had to adjust our plans. Berik had already mentioned the night before that his car was making some strange noises. He wanted to take it to the garage first before continuing and was therefore forced to spend a day in Oral.

We decided to keep trying our luck. Berik was kind enough to drive us out of the city and let us drop off at a well-situated gas station before he turned around and went back to the city to look for a mechanic. We had just installed ourselves, when our next “driver” stopped. With him we drove 700 km to Aktöbe. He continued his way to Astana and we stayed overnight in a trucker hotel directly along the road. To our surprise, we saw three touring motorcycles in front of the hotel, one of them with Belgian license plate. When we went for dinner in the only restaurant shortly after our arrival, we recognized each other immediately as “western tourists” and we started talking right away. The bikers told us about their unusual trip: the three retired friends (a Belgian from Antwerp and two Australians) fulfilled a life’s dream and started from London to cover the long distance to Tasmania (Australia).

We got up early on Saturday morning as our goal for the day was Turkestan, which was 1000 km south east of our location. Again, we were lucky and a young couple took us for the first part of the trip. They were in a good mood and sang along loudly to the songs from the car radio. It was a very entertaining ride 😊

They dropped us at a gas station where we took a short break. Afterwards we started a further attempt on the search for a ride. Manuel had been waiting for about 15 minutes in the scorching midday heat without any success (in order not to stand in the sun for too long we changed every few minutes). Shortly after it was Katia’s turn, we could hardly believe our eyes when a new BMW limousine with German license plates stopped for us (or Katia?). Two men were sitting in the car: Anthony, a young man from Kiev who resembled a rock star with his long hair and metal shirt and Sascha, a Russian bodyguard from Moscow. A strange combination with a car registered in Germany. But they quickly resolved the mystery: the two guys work for a company that delivers expensive German cars to well-heeled buyers in Central Asia. Most buyers don’t want to wait long for their new car and therefore pay a driver to pick it up immediately and drive to them. It was very interesting for us to hear from Anthony and Sascha what they had already experienced in their somewhat unusual jobs.

After another long day we arrived late in the evening in Turkestan. Here we wanted to stay another day, because there are some sights to be visited. Within 3 days we had hitchhiked about 3200 km. Apart from the incredible desert and steppe landscapes with countless camels and wild horses, we made many nice acquaintances and never felt insecure. We would recommend it to anyone who doesn’t have a strict schedule and wants to get to know many locals! 

After visiting Turkestan for half a day, we left for Shymkent (which is only 2 hours away). We just stood with the sign at the road again, when an older gentleman stopped for us and spoke to us with his broken German. He was on his way to Shymkent and offered to take us with him. Two other young gentlemen were sitting in the car too. Hitchhiking is very common in Central Asia. As soon as you hold out your hand, someone usually stops. Usually you pay the driver for it (how much depends what you agree on, meanwhile there are apps for it similar to UBER). We always made it clear from the beginning that we want to pay “no money” for the ride, and most of the time this was also okay for the drivers, because they were often curious where we came from and what we do in Kazakhstan. As a consequence, we were twice in a situation where we sat with other passengers in a car, who had to pay for the ride… tourist bonus in our favor so to speak.

Arrived at the destination, our driver insisted to invite us for tea at his home. Once arrived there. To our surprise, his daughters had not only prepared tea, but a whole lunch buffet. We were very lucky that we could fill our stomachs with some tasty Kazach food and plenty of melons as desert.

In Shymkent we spent two quiet days and discovered the city. The road trip of the past couple of days had taken its toll and we were both quite exhausted.

Since Tuesday we are now in Taraz, where we will stay at least one week. Through the organization Workaway (projects for travelers all over the world) we got to know Ylias. We support him in promoting tourist tours and events in his region. In return, we are allowed to stay in his guesthouse for free.

We’ll tell you more about this in the next article.

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