Fazit Iran // Wrap-up Iran

“It’s better to see something once than to hear about it a thousand times

Nach knapp vier Wochen sind wir nun am Ende unseres Aufenthalts in diesem riesigen und geheimnisvollen Land angekommen. Wie wir vor einiger Zeit hier geschrieben hatten, waren wir beide sehr auf die Eindrücke hier gespannt, denn die öffentliche Meinung in Europa (oder zumindest dass, was wir als öffentliche Meinung wahrnahmen) und das, was wir von Freunden gehört hatten die bereits dort waren, hätten unterschiedlicher nicht sein können.

Iran by night
Versuch mit Langzeitbelichtung beim Grillen in der Wüste

Nachdem unser erster Einreiseversuch ja nicht so gut geklappt hat, wurden wir nach unserer Ankunft vom ersten Tag in Teheran an herzlichst von den Iranern empfangen. Während wir die ersten Tage noch verwundert oder überrascht über die vielen Zurufe und «Hello, how are you?» waren, haben wir uns spätestens nach einer Woche an die extreme Gastfreundschaft gewöhnt und genossen die Gespräche mit den Menschen und die vielen neuen Bekanntschaften. Während manche Iraner nur ihre paar Worte Englisch vorführen wollen (vor allem die Kinder tun dies immer sehr fröhlich), haben wir in der Zeit mit einigen Leuten lange Gespräche geführt und neue Bekanntschaften geknüpft. Nicht selten wurden Nummern ausgetauscht und wir wurden zu ihnen nach Hause eingeladen, sei es zum Abendessen oder auch um eine Bleibe für die Nacht zu haben.

Tea time oberhalb von Shiraz mit unserer Tourguide Azimeh und Jeff
Tea time oberhalb von Shiraz mit unserer Tourguide Azimeh und Jeff
Entspannter Nachmittag nach unserem Besuch der Persepolis, bei dem traditionelle Musik gespielt wurde

Bei diesen Gesprächen haben wir einen guten Einblick in das alltägliche Leben bekommen, und ein Verständnis für die Probleme entwickelt, die die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation im Land mit sich bringt. Während viele Iraner nach Jahrzehnten der Isolation und Unterdrückung mit dem Atomabkommen Hoffnung auf eine bessere Zukunft entwickelt hatten, wurde dem vor knapp zwei Jahren durch den einseitigen Ausstieg der USA ein jähes Ende bereitet. Momentan leidet die gesamte Bevölkerung unter den Sanktionen, und die Preise im Land sind seitdem in die Höhe geschossen, sodass viele Lebensmittel oder Konsumgüter für viele kaum noch erschwinglich sind. Verständlich also, dass die Frustration bei allen, mit denen wir gesprochen haben, sehr gross ist.

Trotzdem haben wir als westliche Touristen nicht eine einzige negative Erfahrung gemacht oder uns unsicher gefühlt (auch nicht, wenn wir nachts durch die dunkle Strassen Teherans oder Shiraz’ gelaufen sind). Im Gegenteil, die meisten Menschen versuchen ganz bewusst ein gutes Bild von dem Land und der Bevölkerung zu zeigen. Oft wurden wir gefragt, wie der Iran bei uns in den Medien dargestellt wird, und ob wir – jetzt wo wir da sind – noch die gleiche Meinung haben…

Ausstellung von Soraya in Teheran
Isfahan bridge by night
Katia auf der Brüche in Isfahan

Neben den Menschen, die wohl das grösste Highlight waren, haben wir auf unserer Reise aber auch wunderschöne neue Landschaften kennengelernt, die uns beiden vorher unbekannt waren. Auf den langen Zug- und Busfahrten durchquert man trockene Steinwüsten, in Varzaneh haben wir einen wunderschönen ausgetrockneten Salzsee sowie Sanddünen besucht, und im Norden des Landes fühlt man sich plötzlich – nicht mal 4 Stunden von Teheran entfernt – wie in Südostasien. Reisfelder, Dschungel und tropische Hitze in der Nähe des Kaspischen Meeres geben ein vollkommen anderes Landschaftsbild. Auch die Lehmhäuser in Yazd, die an Star Wars erinnern und die mehr als 2000 Jahre alte Persepolis sind definitiv eine Reise wert.

Train rides in Iran
Eine der langen Zug- und Busfahrten durch das Land und wunderschöne Landschaften
Tower of silence in Yazd
Tower of silence in Yazd
Star Wars like buildings in Kashan
Gebäude die an die Star Wars Filme erinnern
Wüste in Varzaneh
Wüste in Varzaneh

Unterkünfte sowie Transport im Iran sind gut und günstig. Wir haben meist in einfachen Guesthouses geschlafen, die eigentlich immer sehr sauber waren und die Besitzer sehr freundlich. Viele haben uns auch um Feedback gebeten was sie noch besser machen könnten. Sowas passiert einem als Tourist sonst eher selten. Wir haben fast nie mehr als 20 Euro für ein Doppelzimmer bezahlt (manchmal mit privaten, manchmal mit geteiltem Bad). Die Strecken zwischen den Städten kann man bequem per Zug oder Bus bewältigen. Beides ist sehr günstig und sehr komfortabel. 15 Stunden Zugfahrt im Nachtzug haben uns zum Beispiel 7 Euro pro Person gekostet. 6 Stunden Busfahrt im klimatisierten VIP Bus kosten knapp 3 Euro und es gibt täglich mehrere Verbindungen zwischen fast allen Städten. Zudem sind vor allem die Busse im Vergleich zu Europa sehr bequem (riesige Beinfreiheit und nur drei statt vier Sitze pro Reihe). Somit kann man getrost auf das Flugzeug verzichten. Zum Reservieren von Zug- und Busfahrten wurde uns immer im Hotel geholfen, da die Internetseiten meist nur auf Persisch sind. Innerhalb der Städte kann man bequem und günstig per Snapp! (eine App ähnlich wie UBER) umherkommen. Da der Preis automatisch vom System berechnet wird, entfällt so auch das anstrengende Verhandeln und es gibt keine Diskussionen.

Auch die iranische Küche ist sehr abwechslungsreich und regional unterschiedlich. Von Kebab, über Auberginenpaste, Dizi, etc…. gibt es eine reiche Auswahl, oftmals mit vielen frischen Kräutern zubereitet. Selten haben wir mehr als 10 Euro für ein Abendessen für uns beide bezahlt.

Etwas betrübt hat uns im Iran, wie leider in so vielen Entwicklungsländern, der allgegenwärtige Müll sowie der hohe Plastikverbrauch. Entlang der Autobahn, am Strand, im Fluss, eigentlich liegt überall Müll in riesigen Mengen herum. Bei der Bevölkerung ist Umweltverschmutzung scheinbar noch kein grosses Thema. Die meisten Eco Lodges, die wir besucht haben sind sich der Problematik bewusst und versuchen Plastik im Rahmen des möglichen zu vermeiden. Das ist natürlich positiv. Leider ist dies beim Grossteil der Bevölkerung jedoch noch nicht der Fall. So wurden wir oft verständnislos angeschaut, wenn wir beim Gemüse kaufen keine Plastiktüten wollten, sondern unsere eigenen Stofftüten mitgebracht haben. Vielleicht haben die Leute einfach genug andere Probleme, trotzdem scheint es auch von der Regierung keine Massnahmen diesbezüglich zu geben. In Teheran haben wir uns auch dazu entschieden in einen guten Wasserfilter zu investieren, welchen wir dort in einem Outdoorladen kaufen konnten. So müssen wir das Leitungswasser nicht immer abkochen (was auch nicht immer machbar war vorher) und können getrost unsere Trinkflaschen auffüllen ohne Plastikmüll zu produzieren.

Wie ihr seht, sind wir von dem Land sehr begeistert und unser Bild hat sich durch die Reise sehr zum positiven geändert. Genau das, was wir uns erhofft hatten! Allerdings hat uns die Hitze zwischenzeitlich doch sehr zu schaffen gemacht. In Garmsar waren es zur Mittagszeit 47° C, da kann man ausser einer Siesta im klimatisierten Raum nicht mehr allzu viel machen. Daher würden wir eher den Frühling oder den Herbst als Reisezeit empfehlen. Angst vor Massentourismus muss man hier jedenfalls auch dann nicht haben. 😊 Auch der Umgang zwischen Frauen und Männern ist viel entspannter als wir es vorher erwartet hatten.

Above Persepolis
Wir beide vor der Persepolis – gegen 11 Uhr war es dort bereits knapp 40° C warm
Salt lake
Salt lake in Varzaneh

Wir haben in den 30 Tagen vor Ort für Essen, Unterkünfte, Ausflüge und Transport (also ohne Hinflug und Visum) knapp 1150 Euro ausgegeben (für uns beide), also nur etwa 19 Euro pro Person und pro Tag. Dabei haben wir durchaus einige Touren mit Fahrer und Guide gemacht und immer gut gegessen, haben uns öfter mal ein leckeres Safran Eis oder einen Frucht Smoothie gegönnt, und sind in den Städten relativ häufig mit Snapp! (Taxi) unterwegs gewesen. Das macht den Iran daher zu einem sehr günstigen Reiseland.

Falls euer Interesse nun geweckt wurde, haben wir hier ein paar Tipps zusammengefasst:

Teheran:

Shiraz:

Varzaneh:

Taft:

  • Unterkunft: Nartitee traditional house (super entspannte Atmosphäre in einem abgelegenen Ort. Der Garten mit Granatapfelbäumen und Hängematten lädt zu ein paar Tagen runterkommen ein. Und eine Schildkröte als Haustier, was will man mehr!

Sonstiges:

  • Eine Handykarte kann man günstig am Flughafen kaufen und lohnt sich definitiv. Das WLAN in den Hotels ist oftmals sehr langsam und für Apps wie Snapp! ist es auch sehr hilfreich.
  • VORHER unbedingt Geld abheben. Im Iran kann man nirgendwo mit Karte zahlen oder Geld abheben. Wenn man das vergisst, muss man vor Ort in den Hotels oder Geschäften abheben. Manche bieten es an, verlangen dafür jedoch zwischen 7 – 10% (!) von dem Betrag als Gebühr.
  • Da im Iran viele Internetseiten gesperrt sind, lohnt es sich vorher einen VPN zu installieren (und zu testen!)
  • Generell sind alle Hotels sehr hilfsbereit, wenn es ums Organisieren der Weiterreise geht oder auch wenn man auf der Suche nach Geheimtipps ist. Einfach fragen!

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